Pflegereform PNOG 2026

Was häusliche Pflege und Angehörige jetzt wissen müssen

Ein offener Beitrag von Stefan Thomas, Geschäftsführer der CAIRE Pflege. Bischofswerda GmbH

Pflege berührt uns alle. Vielleicht sind Sie gerade für Ihre Mutter, Ihren Partner oder Ihr Kind da. Vielleicht brauchen Sie selbst Unterstützung im Alltag. Genau deshalb möchte ich Ihnen offen erklären, was das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) für Ihre häusliche Pflege bedeuten kann.

Auf dieser Seite lesen Sie in klarer, verständlicher Sprache, worum es bei der Pflegereform wirklich geht. Ich zeige Ihnen fünf zentrale Veränderungen und ihre Folgen für Ihr Leben, Ihre Familie und Ihre Versorgung zu Hause. Und ich sage Ihnen ehrlich, warum mir dieser Entwurf Sorge bereitet – und wie Sie jetzt mithelfen können.

Was ist das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG)?

Das PNOG ist der aktuelle Gesetzentwurf zur Reform der Pflege in Deutschland. Die Politik stellt ihn als Fortschritt dar. Das klingt zunächst beruhigend. Doch wer genauer hinsieht, erkennt einen deutlichen Widerspruch.

Der Entwurf soll die Versorgung stärken – tatsächlich schwächt er sie an vielen wichtigen Stellen. Bewährte Leistungen entfallen. Vertraute Ansprechpartner fallen weg. Der Mangel an Pflegefachkräften bleibt ungelöst. Die Folgen tragen am Ende die Menschen, die auf Pflege angewiesen sind – und ihre Angehörigen.

Wir bei der CAIRE Pflege. Bischofswerda GmbH stehen für Offenheit und Ehrlichkeit. Darum spreche ich es klar aus: Dieser Entwurf muss dringend nachgebessert werden. Damit aus dem PNOG kein Versprechen wird, das sich in der Praxis nicht einlösen lässt.

Fünf Änderungen der Pflegereform, die Ihren Alltag betreffen

Ich habe die fünf wichtigsten Problemfelder für Sie übersetzt. Für jedes schauen wir aus drei Blickwinkeln darauf: aus Sicht der Pflegebedürftigen und Angehörigen, aus Sicht der Pflegedienste und aus Sicht des Staates. So erkennen Sie schnell, wo die Rechnung nicht aufgeht.

1. Die Beratung in der häuslichen Pflege verliert ihre Nähe

Heute beraten Pflegedienste die Menschen direkt bei ihnen zu Hause. Wir kennen die Familie, die Wohnung, die kleinen und großen Sorgen. Künftig sollen Kassen und Kommunen diese Aufgabe übernehmen – Pflegedienste dürften sie nicht mehr leisten.

Sie verlieren Ihren vertrautesten Ansprechpartner. Statt einer Pflegekraft, die Sie kennt und die auch am Freitagnachmittag nach einer plötzlichen Entlassung aus dem Krankenhaus für Sie da ist, warten Sie auf ein System, das heute nur rund drei Prozent der Pflegebedürftigen erreicht.

Sinnvolle, bewährte Aufgaben brechen weg. Bis zu 20.000 Pflegefachkräfte müssten aus der direkten Versorgung abgezogen werden, nur um die neue Beratungsstruktur aufzubauen.

Die Reform will die häusliche Pflege stabilisieren. Tatsächlich schwächt sie genau die Angebote, die Menschen ein Leben im eigenen Zuhause ermöglichen.

Kurz gesagt: Man streicht die Flexibilität, auf die Familien täglich angewiesen sind.

2. Verhinderungspflege und Entlastungsbetrag (131 €) fallen weg – dafür kommt ein Sozialraumbudget

Die Verhinderungspflege ist heute ein flexibles Sicherheitsnetz. Sie springt ein, wenn pflegende Angehörige selbst einmal krank werden, ausfallen oder eine Pause brauchen. Genau diese Flexibilität soll verschwinden. An ihre Stelle sollen Notdienste treten – mit spürbar weniger Budget und deutlich mehr Bürokratie.

Wenn Sie als pflegender Angehöriger einmal nicht mehr können, wird es schwerer, schnell die passende Hilfe zu finden. Auch Haushaltshilfe, Einkaufsservice oder individuelle Betreuung sind gefährdet. Der Grund: Diese Leistungen dürften nicht mehr von Pflegediensten erbracht werden, sondern nur noch von anerkannten Nachbarschaftshilfen oder Betreuungsdiensten. Zusätzlich entfällt die Möglichkeit, nicht genutzte Entlastungsbeträge anzusparen. Ihre Wahlmöglichkeiten schrumpfen also deutlich. Gleichzeitig soll das Budget der Verhinderungspflege, das zuletzt Schritt für Schritt erhöht wurde, voraussichtlich um etwa die Hälfte gekürzt werden. Beides fließt in ein Sozialraumbudget, dessen Nutzung erheblich erschwert wird.

Ambulanten Diensten, Tages- und Kurzzeitpflegen wird eine wichtige finanzielle Grundlage entzogen. Tragfähige Angebote drohen wegzubrechen.

Die Reform will die häusliche Pflege stabilisieren. Tatsächlich schwächt sie genau die Angebote, die Menschen ein Leben im eigenen Zuhause ermöglichen.

Kurz gesagt: Man streicht die Flexibilität, auf die Familien täglich angewiesen sind.

3. Höhere Hürden beim Pflegegrad

Die Grenzwerte für die Einstufung in einen Pflegegrad sollen deutlich angehoben werden. Das heißt konkret: Pflegebedürftige Menschen müssen künftig einen höheren Unterstützungsbedarf nachweisen, um Leistungen in den Pflegegraden 1 bis 5 zu erhalten. So entsteht der falsche Eindruck, Menschen würden über Nacht selbstständiger.

Hinzu kommt: Im Pflegegrad 1 entfällt der monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro. Und es gibt keinen Bestandsschutz mehr für Menschen, die bereits heute Leistungen im Pflegegrad 1 beziehen.

Kurz gesagt: Unterstützung wird an strengere Bedingungen geknüpft – auf dem Rücken der Betroffenen.

4. Der Mangel an Pflegefachkräften bleibt ungelöst

Die größte Sorge in der Pflege ist der Mangel an Pflegefachkräften. Der Entwurf übergeht dieses Problem – und schafft sogar zusätzliche Belastungen für die Teams.

Weniger Personal bedeutet weniger Zeit für Sie. Es bedeutet längere Wartezeiten und die Gefahr, dass gewohnte Versorgung nicht mehr überall gesichert ist.

Die ausgesetzte Refinanzierung belastet die Arbeitgeber zusätzlich. Zugleich sollen tausende Pflegefachkräfte in neue Strukturen wechseln – Menschen, die in der direkten Pflege dringend gebraucht werden.

Schon bald geht rund ein Fünftel aller Pflegekräfte in den Ruhestand. Statt gegenzusteuern, verschärft der Entwurf die Lage.

Kurz gesagt: Man lässt die größte Baustelle offen und öffnet daneben eine neue.

5. Ungleiche Regeln bei der Gehaltsrefinanzierung

Erst hat die Politik dafür gesorgt, dass alle Pflegekräfte nach Tarifniveau bezahlt werden. Nun bekommen private Dienste diese Gehälter nicht mehr vollständig erstattet – tarifgebundene Einrichtungen dagegen schon.

Wenn private Dienste unter unfairen Bedingungen arbeiten müssen, ist ihr Fortbestehen gefährdet. Am Ende geht es um Ihre Versorgung und um Ihre freie Wahl des Pflegedienstes.

Für private Anbieter der häuslichen Krankenpflege, Haushaltshilfe und außerklinischen Intensivpflege entsteht eine gesetzlich verordnete Wettbewerbsverzerrung.

Die Ungleichbehandlung befeuert das Abwerben von Pflegefachkräften – ausgerechnet in einer Zeit, in der jede einzelne Kraft zählt.

Kurz gesagt: Gleiche Arbeit, gleiche Gehälter – aber ungleiche Regeln. Das ist zutiefst unfair.

Warum uns diese Pflegereform nicht loslässt

Vielleicht denken Sie: „Das sind doch Detailfragen der Politik.“ Doch genau diese Details entscheiden darüber, ob Ihre Mutter zu Hause bleiben kann. Ob Sie als pflegender Angehöriger einmal durchatmen dürfen. Ob es morgen noch einen Pflegedienst gibt, der Sie kennt und dem Sie vertrauen.

Darin liegt die eigentliche Gefahr des Entwurfs. Er spricht von Modernisierung und dünnt die Versorgung in Wahrheit aus. Er verspricht Stabilität und nimmt Familien die Flexibilität, die sie täglich brauchen. Diese Lücke zwischen Versprechen und Wirklichkeit dürfen wir nicht hinnehmen.

Für uns steht der Mensch im Mittelpunkt – nicht der Paragraf. Deshalb sage ich offen, was viele spüren, aber selten aussprechen: So darf diese Reform nicht kommen.

Die Lösung: Gemeinsam für eine ehrliche Pflegereform

Es gibt einen besseren Weg. Pflege braucht verlässliche Rahmenbedingungen und eine Reform, die die Versorgung wirklich stärkt. Das heißt konkret:

  • Bewährte Beratungsstrukturen erhalten und die vertraute Nähe zwischen Pflegediensten und Familien bewahren.
  • Die Flexibilität der Verhinderungspflege und ambulanter Angebote schützen, damit Familien handlungsfähig bleiben.
  • Den Mangel an Pflegefachkräften endlich ernst nehmen und die Teams entlasten, statt sie zusätzlich zu belasten.
  • Eine faire Refinanzierung für alle Dienste sicherstellen – gleiche Regeln für gleiche Arbeit.

Diese Ziele sind erreichbar. Wir müssen sie nur laut genug einfordern, solange der Entwurf noch im parlamentarischen Verfahren ist.

Hinter dieser Initiative steht der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa) – die größte Interessenvertretung privater Pflege- und Sozialdienstleister in Deutschland mit über 14.000 Mitgliedseinrichtungen. Der bpa macht auf die gravierenden Schwächen des Gesetzentwurfs aufmerksam und fordert eine deutliche Nachbesserung. Mehr Informationen finden Sie unter https://www.bpa.de/pnog.

Wir bei der CAIRE Pflege. Bischofswerda GmbH sind als ambulanter Pflegedienst unmittelbar betroffen. Die drohenden Einschnitte bei Beratung, Verhinderungspflege und Gehaltsrefinanzierung treffen uns – und damit auch die Menschen, die wir jeden Tag versorgen – direkt. Deshalb tragen wir die Anliegen des bpa aus voller Überzeugung mit: Gute Pflege braucht faire Rahmenbedingungen. Und die müssen jetzt eingefordert werden.

Was Sie jetzt tun können

Ihre Stimme zählt. Je mehr Menschen die Folgen dieses Entwurfs verstehen, desto größer ist die Chance auf eine echte Nachbesserung.

  • Unterschreiben Sie die Petition: https://innn.it/keine-kuerzungen
  • Informieren Sie sich über die Hintergründe der Initiative: https://www.bpa.de/pnog
  • Sprechen Sie darüber – in Ihrer Familie, mit Nachbarn und Freunden. Teilen Sie diesen Beitrag.
  • Machen Sie Ihre Sorgen sichtbar, damit die Stimme der Pflege im politischen Verfahren gehört wird.

Pflege lebt von Vertrauen, Nähe und Verlässlichkeit. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass genau diese Werte auch im neuen Gesetz Bestand haben. Für die Menschen, die Pflege brauchen – und für alle, die sie mit Herz leisten.

Herzlichst,

Stefan Thomas
Geschäftsführer
CAIRE Pflege. Bischofswerda GmbH

Häufige Fragen zur Pflegereform PNOG (FAQ)

Was bedeutet das PNOG für die häusliche Pflege?

Das Pflegeneuordnungsgesetz soll die Pflege modernisieren, schwächt in der aktuellen Fassung jedoch zentrale Leistungen der häuslichen Pflege. Beratung, Verhinderungspflege und flexible Betreuungsangebote drohen wegzufallen. Für viele Familien wird die Versorgung zu Hause dadurch schwieriger und weniger planbar.

Wird die Verhinderungspflege durch das PNOG gekürzt?

Ja. Nach dem aktuellen Entwurf soll das Budget der Verhinderungspflege voraussichtlich etwa halbiert und mit dem Entlastungsbetrag in ein neues Sozialraumbudget überführt werden. Die Nutzung wird deutlich erschwert, und Pflegedienste dürften diese Leistungen nicht mehr erbringen.

Was ändert sich beim Pflegegrad und beim Entlastungsbetrag?

Die Grenzwerte für die Einstufung in einen Pflegegrad sollen angehoben werden. Menschen müssen künftig einen höheren Unterstützungsbedarf nachweisen. Im Pflegegrad 1 entfällt der monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro, und es gibt keinen Bestandsschutz für bereits eingestufte Personen.

Wie kann ich mich gegen die geplanten Kürzungen einsetzen?

Sie können die Petition unter https://innn.it/keine-kuerzungen unterschreiben, sich unter https://www.bpa.de/pnoginformieren und das Thema in Ihrem Umfeld teilen. Je mehr Menschen die Folgen kennen, desto größer ist die Chance auf eine echte Nachbesserung.